Download Zeitschrift "voll krass"

Harry heute

Laden Sie hier die Drogenzeitung "voll krass" herunter. Harry Pepelnar gibt hier ein ausführliches Zeugnis über seine Zeit als Kiffer [1'213 KB] .

Heute denke ich, dass mich das Kiffen so kaputt gemacht hat und mich derart negativ verändert hat, dass ich mich selber nicht mehr erkannte.

Es ist Samstag und ich fiebere schon dem Feierabend entgegen. Ich bin Verkäufer in einem Fotogeschäft in der Stadt St.Gallen. Bevor ich aber nach Hause kann, werde ich vom Chef ins Büro gebeten. Dort erwarten mich drei Herren der Geschäftsleitung mit aufgeschlagenen Kassabüchern. Ich weiss, um was es geht. Mir wird vorgeworfen, ich hätte Geld unterschlagen. Das stimmt auch, aber ich habe vorgesorgt ­ man kann mir nichts beweisen. So verlasse ich das Büro mit den Chefs eine halbe Stunde später. Ich fühle mich zuerst wie ein Held ­ sie konnten mir nichts nachweisen. Nicht so wie meinem Freund, dem Lehrling, den sie vor kurzem entlassen haben. Dann stehe ich an der Bushaltestelle und warte. Plötzlich fühle ich mich unheimlich mies. In mir stirbt etwas ab ­ ich spüre es ganz deutlich. Zu Hause angekommen, drehe ich mir einen Joint und trinke Bier dazu. Meine Nerven beruhigen sich, und ich fange wieder an in einer Scheinwelt zu leben.
Voll krass ­ aber es kommt noch krasser. Wenig später komme ich in die Heroinsucht. Der Tod ist mein ständiger Begleiter. Die kriminellen Tätigkeiten werden noch grösser. Mein Innenleben wird langsam zerstört. Heute denke ich, dass mich das Kiffen so kaputt gemacht hat und mich derart negativ verändert hat, dass ich mich selber nicht mehr erkannte. Ich wuchs als Einzelkind in einer normalen, gut bürgerlichen Familie auf. In der Zeit des Wirtschaftswachstums war bei uns ein Wert wichtig, der bei den
meisten Familien weit oben war: der Aufbau des Wohlstandes. Ich hatte es materiell sehr gut. Auch zu meinen Eltern war die Beziehung noch in Ordnung. Als ich etwa zehn Jahre alt war, hatte mein Vater Kontakt mit Zeugen Jehovas. Ich sah, wie Männer an unserem Tisch aus der Bibel lasen. Das faszinierte mich sehr, und ich weiss noch genau, wie ich mir einmal beim Einschlafen wünschte, dass ich doch irgendwann so vertraut mit der Bibel sein könnte. Dass es sich bei den Zeugen Jehovas um eine Sekte handelt, wusste ich damals nicht. Mein Vater brach den Kontakt mit ihnen bald wieder ab, aber das Erlebnis mit der Bibel sollte später einen entscheidenden Einfluss haben.

Plötzlich kiffte ich täglich.

In den Teenagerjahren fing ich an Sport zu treiben, ging regelmässig ins Training und spielte mit der Mannschaft an Turnieren der Faustballliga. Ich entdeckte die Musik, zuerst den RocknRoll, dann die Beatles und später die Discomusik. Das begeisterte mich dermassen, dass ich Discjockey in unserem Jugendkeller wurde. Dabei gab es viel zu organisieren. Ich war voll im Element. Das hat Spass gemacht! Ich wollte erwachsen sein und fing an Zigaretten zu rauchen. Das war meine erste Sucht. Im Jugendkeller gab es aber auch Freunde, die noch etwas Anderes rauchten: Sie drehten sich ihre Joints. Es reizte mich aber überhaupt nicht zu kiffen. Ich hatte das nicht nötig, mein Leben war aktiv und voll von Neuem. Da war auch das andere Geschlecht und besonders eine hübsche Italienerin. Sie verdrehte mir den Kopf. Ich versuchte sie zu erobern. Unsere Freundschaft war leidenschaftlich, aber auch ungesund. Es war eine Liebe, die nur Sex als Inhalt hatte und so etwas wie eine weitere Abhängigkeit produzierte. Darum war es eine totale Katastrophe, als diese Liebe in tausend Stücke zerbrach. Ich war am Boden zerstört, der Liebeskummer frass mich auf. Ich fing an zu kiffen. Nach dem ersten Joint wusste ich: Wau ­ damit möchte ich nie mehr aufhören! Plötzlich kiffte ich täglich. Zuerst nur abends, aber dann auch am Mittag, wenn ich etwas Erfreuliches erlebte oder wenn ich einen Dämpfer bekommen hatte. Der Joint wurde mein Freund und Begleiter.

Give Peace a Chance.... war unser Motto und das Kiffen machte uns auch so friedlich und lahm.

Meiner Meinung nach ist Haschisch die gefährlichste Droge überhaupt. Ich weiss, dass in der Schweiz heute von Legalisierung die Rede ist. Aber das Kiffen ist deshalb so gefährlich, weil es die Persönlichkeit des Menschen ganz langsam und unmerklich verändert. Es ist eine Veränderung ins Negative. Ein Joint verursacht immer einen Rausch. Man raucht einen Joint nie zum Genuss, sondern immer wegen dem Rauschzustand. Das war mir damals bewusst. Was ich nicht wusste war, dass sich das THC nicht in Wasser auflöst und so aus dem Körper ausscheidet, sondern dass es ungefähr eine Woche lang im Körper bleibt. Die Substanzen lagern sich im Fettgewebe ab.
Ich wusste auch nicht, dass es das Kiffen war, welches mein Leben lahm legte. Bädu Anliker, Besitzer einer In-Beiz in Thun, sagte in einem Interview treffend: «Die Jungen kiffen heute zum Teil dermassen viel, dass sie sich schon gar nicht mehr entwickeln. Und weil die Jugend so bekifft ist, ist sie auch so schön ruhig.»
Dieses tägliche Kiffen wurde sichtbar, mein Leben veränderte sich über die Jahre. Wenn jemand mich fragte, hatte ich das Kiffen natürlich unter Kontrolle. Aber es war umgekehrt. So allmählich hatte ich keine Lust mehr, mein Leben aktiv zu gestalten. Aktiv war ich nur noch im Joints drehen, Musik hören, bestimmte Beizen besuchen. Den Sport baute ich ab, auch die Arbeit im Jugendkeller liess ich sein. Ich hing lieber rum und genoss das Leben. Ich wechselte meine alten engagierten Freunde aus mit meinen neuen Kifferkollegen. Das war eine ganz andere Welt, in die ich da eintauchte! Das fasziniert mich. Woodstock, dieses Mega-Openair aus den USA, schwebte in unseren Köpfen, und wir wollten die Welt verändern. Give Peace a Chance... war unser Motto und das Kiffen machte uns so friedlich und lahm.

Mein Lebensstil kostete viel. Dauernd war das Geld knapp. Anfangs hatte ich noch ein Auto, aber später konnte ich mir keines mehr leisten. Alles Geld ging drauf fürs Kiffen und den Ausgang. Ich entdeckte, dass ich als Verkäufer gut Geld unterschlagen konnte. So hatte ich eine Einnahmequelle für meinen Drogenkonsum. Wir waren richtig süchtig nach dem Zeug. Hatten wir mal nichts zu rauchen, kratzten wir alles zusammen für einen Joint. Ich konnte auch nicht mehr einschlafen ohne zu kiffen. Passierte es doch einmal, waren es immer Horrornächte, aus denen ich schweissgebadet aufstand. Meine Psyche veränderte sich erschreckend. Ich war unausgeglichen, missmutig, fing an zu lügen, und irgendwie nahm mir die Droge die Freude am Leben. Depressionen stellten sich ein. Sah ich andere Kollegen, dann stellte ich fest, dass sie etwas aus ihrem Leben machten, dass sie Freude hatten. Ich aber zog mich zurück in ein Schneckenhaus, das ausgerüstet war mit kiffenden Kollegen, Musik, Alkohol und einer Menge Drogen. Kiffer haben manchmal das Gefühl, eine Bewusstseinserweiterung zu erleben. Wir haben Dinge gesehen, die andere einfach nicht sahen. Wir haben stundenlang Wolken angeschaut oder Muster an Bäumen oder auf Tischen und waren entsetzt, wenn das jemand nicht sah. Heute weiss man, dass die
Auswirkung der Droge die Neuronen im Hirn verändert, sodass kleinkindhafte Zustände auftreten können. Diese Wirkung, dass man an kleinen Dingen nicht vorbei kommt, das Ganze jedoch nicht mehr sieht, ist natürlich eine Katastrophe für einen Menschen, der lernen soll. Die Konzentration geht völlig drauf.

Schliesslich nahm ich zum ersten Mal Heroin. Es hatte mich sofort im Griff.

Ich habe immer mehr konsumiert , um wieder neue Welten zu erleben. LSD und Kokain bildeten mit den anderen Drogen einen fürchterlichen Cocktail. In diesen Nächten der Räusche haben wir die wildesten Dinge angestellt. Sie haben mein Inneres kaputt gemacht. Schliesslich nahm ich zum ersten Mal Heroin. Es hatte mich sofort im Griff. Ich arbeitete zwar noch, aber stahl und führte ein Stressleben. Die Heroinsucht dauerte etwa zwei Jahre. Ich war 28 Jahre alt, als mein Leben eigentlich am Ende war. Nicht die äusseren Umstände wie das Kriminelle und die Verwahrlosung machten mir zu schaffen, sondern dass ich innerlich tot war. Kein Leben mehr und kein Interesse mehr am Leben. Ich wurde zweimal verurteilt wegen Veruntreuung von je 20'000 Franken. Alles für den Drogenkonsum!
Kiffen wird oft als Einstiegsdroge bezeichnet. Die erste wirkliche Sucht ist jedoch das Rauchen von Zigaretten. Wer nicht raucht, wird auch keinen Joint rauchen. Aber das Kiffen bereitet einen Menschen bestens für stärkeren Drogen vor. Nochmals Bädu Anliker: «Das Kiffen ist nicht die Superdroge um den Menschen weiterzubringen, sondern macht sehr introvertiert. Ich denke, die Gesellschaft wird Langzeitschäden davontragen.»

Ich hatte eigentlich in meinem bisherigen Leben versucht, etwas in die Löcher zu stopfen, das nicht passte, ja etwas, das mein Leben sogar zerstörte.

1990 gab ich auf. Ich wollte nur noch sterben. Ich hatte keine Hoffnung mehr. Gleichzeitig gaben mir meine Eltern klar zu verstehen, dass ich ohne Therapie zu Hause nicht mehr willkommen war. So entschloss ich mich das erste Mal für eine Therapie. Nach längerem Suchen gelangte ich an eine christliche Wohngemeinschaft. Als die Stimme am Telefon sagte, ich müsse offen für den Glauben sein, kam mir mein Bibelerlebnis als Zehnjähriger wieder in den Sinn. Ich sagte ja zu dieser Therapie. Nun fing eine harte, aber wertvolle Zeit an, denn ich begegnete dem Mann, der mir den Sinn des Lebens zurückgab: Jesus Christus. Es war wie ein Spielwürfel, den kleine Kinder benutzen, um verschiedene Formen in die entsprechenden Löcher zu stecken. Ich hatte eigentlich in meinem bisherigen Leben versucht, etwas in die Löcher zu stopfen, das nicht passte, ja etwas, das mein Leben sogar zerstörte. Als ich in der Therapie die Bibel in die Hand bekam und anfing, mich mit der zentralen Person Jesus Christus auseinander zu setzen, war es mir, als ob ich endlich die richtige Form für meine Löcher gefunden hätte. Von Jesus heisst es, dass er am Kreuz für unsere Schuld gestorben ist, dass er alle Sünden vergeben kann. Was hatte ich doch für Berge von Schuld! Es vergingen einige Monate, bis ich bereit war, alle meine Vergehen vor Gott auf den Tisch zu legen und um Vergebung zu bitten. Aber dann wurde ich befreit von der Last, die auf mir lag. Gott vergab mir in Christus. Wo ich konnte, schrieb ich Briefe an Personen oder Firmen, an denen ich schuldig geworden war. Gott hatte mir vergeben, und nun konnte ich auch in meinem Leben zur Schuld stehen. Es war ein phantastisches Gefühl, frei von Schuld zu sein.

Musikclip von Mary and Mary über den Himmel Thema unserer Sonntagspredigt: War uns dort wirklich erwartet!

Jesus sagt in der Bibel, dass er den Durst des Lebens stillt und dass er dem Leben Fülle geben will. Ich habe das erfahren, als ich Jesus bat, Herr über mein Leben zu werden. Seit diesem Moment bin ich ein neuer Mensch. Nicht perfekt, aber von Gott verändert für ein lebenswertes Leben ohne Sucht. Heute bin ich glücklich verheiratet und stolzer Vater von drei genialen Kindern. Ich habe mein Leben ganz dem geschenkt, der es geheilt hat, nämlich Jesus. Ich habe mich theologisch ausbilden lassen und arbeite heute in einer Freien evangelischen Gemeinde als Pastor. Die persönliche Beziehung zu Gott hat mir die Augen geöffnet für die Wirklichkeit. Ich kämpfe darum, dass Menschen zu Gott finden. Und ich trete dafür ein, dass unsere Jugend geschützt wird vor den zerstörenden Folgen des Haschisch-Konsums.

Zeitungsartikel Bund

Zeitungsartikel Bund Mai 2004 [145 KB]

Radio BEO Interview (schweizerdeutsch)

Bestellen Sie unten eine Gratis-CD mit einem ausführlichen Interview von Harry Pepelnar. Mutmachende Aussagen untermalt von der Musik von Pius Holzer.

Senden sie mir eine Gratis-CD

Vorname
Nachname
Alter *
Adresse mit Ort
E-Mail *
Nachricht

Hilfe bei Drogenproblemen:

Wiederhergestellt durch Christus 2. Korinther 5,17